Wollen Kinder wirklich bauen?
Mittwoch, April 23rd, 2008Das Telefon klingelt. Kunde droht mit Auftrag. Ich höre eine tiefe Männerstimme: Ralf Meier. Hallo Herr Dragun, oder darf ich immer noch Carsten sagen? Du bist mir empfohlen worden. Ralf Meier, ein Allerweltsname - aber diese Stimme. Irgendwie klingelt es bei mir.
Schulzeiten, Ralf, der Typ, der immer ruhig und besonnen war. Und deswegen auch von allen sehr geschätzt. Wir unterhalten uns angeregt über alte Zeiten und wie es uns so ergangen ist. Er ist inzwischen Familienvater. Hatte die klassische Karriere hinter sich. Haus gebaut, Baum gepflanzt und Nachwuchs. Und zwar gleich im gemischten Doppel, Zwillinge. Und logisch, besonnen und vorausschauend: Er will sparen. Und zwar für seine Kinder. Finanziell natürlich nicht so einfach zu stemmen. Das meiste seines Geldes hat er in den Hausbau gesteckt.
Klar wollte ich dann wissen, wie er das denn alles stemmt und wie er für seine Kinder anspart. Der Dialog war dann kurz und intensiv und für ihn wohl eher schmerzhaft.Er: „Na klar spare ich für meine Kinder“, noch voller Stolz.
Ich: „worein sparst du denn?“
Er: „Das Geld geht in einen Bausparvertrag!?“, schon leicht zweifelnd
Ich: „Wie deine Kinder wollen bauen?“
Er: „Warum wollen die denn bauen?“, stark irritiert
Ich: „Steckt doch in dem Wort Bausparvertrag.“
Er: „Ist doch aber trotzdem gut, oder?“, ganz und gar verunsichert
Naja und dann nahm das Übel seinen Lauf. Ich erklärte ihm die Zinssituation und die Kostenseite eines Bausparvertrages. Zwei Prozent Zinsen und ein Prozent Bearbeitungsgebühr ist an sich schon nicht aufregend. Aber zehn Euro jeden Monat einzahlen bei einem Bausparvertrag über 20000 Euro - dass trieb mir fast die Tränen in die Augen.
Ich bat ihn mal die Unterlagen zu holen und mir ein paar mehr Details zu nennen. Und schon während des Rückwegs vom Dachgeschoss fing er an zu fluchen. Der sonst so besonnene Ralf. Zwei Jahre hatte er bereits gespart und das für ein Guthaben von 40 Euro. Der Rest waren Gebühren, und er wusste das nicht. Aber jetzt war es ihm bewusst.
Und wie er es wusste. Er war wütend. Auf sich selbst. Auf seinen Bausparkassenberater.
Nicht für die Kinder gespart, den Berater und das Unternehmen reich gemacht. Da hätte er besser das Geld auf den Kopf gehauen. Bausparen für Kinder, insbesondere bei vorhandenem Haus der Eltern? Never ever again.
Ein vernünftiger Berater hätte ihm wahrscheinlich unter Berücksichtigung aller Tatsachen abgeraten. Aber der Mensch von der Bausparkasse ist ja seinem Chef und der Firma verpflichtet, die sein Gehalt bezahlt. Und doch: Die Anlage muss stimmen, dann kann auch aus dem niedrigsten Betrag, und wenn es nur 10 Euro sind, ein ordentlicher Geldbetrag zusammen kommen. Aber die Anlage muss eben stimmen.