Der erste echte Mandant…
Sonntag, April 27th, 2008
…und ich kam mir vor wie der Blinde unter Blinden.
Achim ist Polizist. Mitte 40 und Familienvater. Also ich rein bei ihm in die gute Stube. Und dann ging’s los. Ich an den Esszimmertisch. Irgendwie war der Stuhl zu niedrig und der Tisch zu hoch. Zumindest für mich. Und dann holte Achim seine Finanzunterlagen.
Ich wusste gar nicht, wie lang ein Meter Aktenordner ist. Zumindest gefühlt. Und doch verschwand ich hinter sieben großen Aktenordnern. Und das war auch gut so. Ich wusste gar nicht wo ich anfangen sollte. Geschweige denn, wo die relevanten Daten zu finden waren. Also rein in den ersten Ordner. Das erste Dokument war von 1982.
Ich: „Achim hast du diesen Vertrag noch?“
Er: „Nein“
Ich: „Warum hast du den denn noch in deinem Ordner“
Er: „Habe ich noch nicht geschafft, heraus zu nehmen“
Jetzt sagen Sie nicht, dass das immer nur den Anderen passiert. Langsam kam ich voran. Ich stellte fest, ich konnte auf einem Auge sehen. Und dann machte ich einen Fehler. Ich fragte Achim nach einer Information, die ich bei seinen Unterlagen nicht finden konnte. Ich hörte nur ein „Moment“ und weg war er.
Dann kam er wieder. Mit einem Wäschekorb. Jawohl und zwar bis oben voll mit Dokumenten, die noch nicht einsortiert waren. Als Krönung lagen oben drauf zwei weitere Aktenordner. Ich fragte ihn, wie er denn die Übersicht behält und bekam die lapidare Antwort „Dafür bist du ja jetzt da“.
Ich verschwand vollends hinter einem Berg von Unterlagen. Ich wurde nur noch gehört, sehen konnte mich jetzt keiner mehr. Es dauerte geschlagene vier Stunden, bis ich einen einigermaßen vollständigen Überblick hatte. Er wurde Mandant. Es dauert zwar. Weil viele Unterlagen bis heute verschwunden blieben und Ersatz besorgt werden musste. Aber wenigstens wusste er, dass er bis dato viel Geld verschenkt hatte.
Heute hat er Ordnung in seinen Unterlagen. Aber nur, wenn ich mal wieder vorbei geschaut habe. Ordnung ist ab und an doch das halbe Leben. Nun sagen Sie nicht, dass Sie sich das nicht vorstellen können. Denn für mich war dieser erste Kunde der Auftakt zu sehr vielen Beratungen ähnlicher Natur.