Die Sandwich-Generation
Dienstag, September 9th, 2008In jedem System gibt es Gewinner und Verlierer bei Veränderungen. Auch in dem System der gesetzlichen Rentenversicherung ist es so. Wobei es sehr schwer fällt überhaupt Gewinner der Reformen in dem gesetzlichen System auszumachen. Die größten Verlierer stehen aber fest. Das ist die Generation der in den 60er- und 70er-Jahren Geborenen.
Die gesetzliche Rente schrumpft und die Geschwindigkeit mit der sie es tut ist fast schon beängstigend.Die heutige Rentengeneration wird das ganze Ausmass aber nicht mehr voll zu spüren bekommen. Wobei es schon heute erschreckend ist wie viele Menschen zusätzlich zur Rente staatliche Leistungen in Anspruch nehmen müssen oder auf caritative Einrichtungen angewiesen sind.
Schlimm, aber immer noch nicht am schlimmsten dran sind die jungen Menschen der Geburtenjahrgänge der 80er-Jahre und danach. Sie wissen bereits, dass das Rentenniveau immer weiter sinken wird. Der Begriff der Einheitsrente geistert immer wieder durch die Gesellschaft. Auch ist klar, dass sich das Verhältnis zwischen Rentenempfängern und den Einzahlern in die gesetzliche Rentenversicherung immer weiter zu Ungunsten der Rentenempfänger verschieben wird. Sie haben aber einen starken Partner auf Ihrer Seite, den Zinses-Zins-Effekt. Aufgrund der Zeit, die noch bis zur Rente verbleibt können sie privat vernünftig vorsorgen und die Rentenlücke zumindest teilweise schliessen.
Am schlimmsten erwischt es ausgerechnet die Generation der Menschen, die aufgrund der Stärke dieser Jahrgänge am meisten für das System tun. Gerade die geburtenstarken Jahrgänge in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre und Anfang der 70er-Jahre werden die sinkenden Renten voll zu spüren bekommen. Sie wissen zwar, dass das Rentensystem nicht unbedingt auf ihrer Seite ist, aber sie haben den Faktor Zeit quasi als Gegner. Aufgrund der relativ kurzen Zeit bis zum Renteneintritt kann der ZInses-Zins-Effekt sich nicht mehr so positiv auswirken.
Und wofür das Ganze? Die Politik strebt an, den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung unter 22 Prozent zu halten. Derzeit liegt er bei knapp unter 20 Prozent. Also steigt der Beitrag zur Rente vermutlich weiter. Und wofür? Laut dem bekannten Rentenexperten und Namensgeber der Rürup-Rente Bert Rürup wird es dadurch zu keiner weiteren Beschneidung der gesetzlichen Rente kommen. Allerdings wird der Anteil der gesetzlichen Rente an der ingesamt benötigten Rente nur 60 Prozent ausmachen, heute sind es 85 Prozent. Im Klartext heisst das: Die Sozialabgaben steigen weiter und kompensieren nicht einmal die Inflation. Ich zahle mehr in ein System ein, um noch weniger heraus zu bekommen. Was für eine Ironie.
Höchst bedenklich sind die Konsequenzen, die sich daraus ableiten. Durch die die drohende Abnahme der Erwerbstätigen aufgrund der Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung müsse über mehr Frauenerwerbstätigkeit, noch höhere Renteneintrittsalter und eine steigende Produktivität jedes einzelnen nachgedacht werden, so Rürup.