Posts Tagged ‘Pflegeversicherung’

Pflege wird zum Luxusgut

Donnerstag, Juli 17th, 2008

Wieder einmal wurden fast unbemerkt die Lohnnebenkosten angehoben. Am 1. Juli wurde der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung um 0,25 Prozent auf 1,95 Prozent angehoben. Für viele unbemerkt geht auch die Flickschusterei in der Pflegeversicherung weiter. Erst gab es einen Zuschlag für Kinderlose und dann wurde auch noch ein 13. Monatsbeitrag für die Pflegeversicherung eingereicht. Und nun? Ist das die Lösung?

Wahrscheinlich nicht. Denn die Erhöhung der Beiträge wurde dadurch begründet, dass zusätzliche Leistungen jetzt gedeckt werden können. So soll die häusliche Pflege ausgebaut werden und auch die Betreuung von Demenz-Kranken verstärkt werden. Und dies alles durch eine Erhöhung des Beitrages. Bloss eine Erhöhung des Beitrages nur um Löcher zu stopfen und durch zusätzliche Versprechungen abzumildern verschärft fast nur das Problem.  Denn beispielsweise das Problem der Armut von Pflegefällen im Alter ist in die Überlegungen nur unzureichend eingeflossen.

Bei aller Euphorie in der Politik wird es wohl ähnlich wie in der gesetzlichen Rente auf eine Art Basispflege hinauslaufen. Denn eins scheint aufgrund des sogenannten demographisches Wandels unausweichlich. Die zukünftigen Generationen werden eben diese Basisabsicherung haben, damit diese überhaupt bezahlbar bleibt. Und Pflege wird zum Luxus. Dies sogar bereits als Arbeitnehmer. Denn wer sich eine Zusatzversicherung leisten kann, hat im Pflegefall Glück. Alle anderen werden durch das immer gröber werdende soziale Netz fallen.

Handeln ist also angesagt. Getreu dem Motto: “Spare wenn Du hast, dann hast Du in der Not”. Wenn es denn geht. Private Pflegezusatzversicherungen gibt es bereits seit Jahren. Und auch die Nachfrage steigt, ebenso wie das Angebot. Aber was passt individuell zu jedem einzelnen. Das ist die Frage, die gemeinsam mit einem Berater erörtert werden sollte

Plötzlich Pflegefall

Donnerstag, April 17th, 2008

 

Es passierte an einem ganz normalen Sonntag. Tante Rosi war aufgestanden, hatte gefrühstückt und dann die übliche Hausarbeit erledigt. Sie hatte sich beeilt, denn am Nachmittag wollte ihre Freundin zum Kaffeetrinken kommen. Ihre beste Freundin, seit dreißig Jahren. Sie lebte mittlerweile im Heim, sie schaffe es nicht mehr allein. Tante Rosi, selber Anfang 80, bedauerte sie insgeheim ob dieser Abhängigkeit von anderen und wollte ihr einen besonders schönen Nachmittag bereiten. Sie stand im Bad, die Haarbürste war herunter gefallen, sie wollte sich nur bücken, da passierte es.

  

Sie rutschte aus, sie weiß noch nicht einmal warum. Sie schaffe es gerade noch unter großen Schmerzen zum Telefon im Flur, Notarzt, Krankenhaus. Der nette Oberarzt diagnostizierte Oberschenkelhalsbruch, bei älteren Menschen eine häufige Ursache für Krankenhausaufenthalte.

 

Endlich, nach langen drei Wochen durfte sie nach Hause. Gesund, wieder in den eigenen vier Wänden, unabhängig, dachte sie. Sie zog sich an, packte ihre Sachen, wollte noch einmal kurz in das hässliche kleine Krankenhausbad, um zu sehen, ob sie auch nichts vergessen hatte. Gerade als sie das Bad betreten hatte, passierte es. Sie stürzte, ein zweites Mal, neuer Oberschenkelhalsbruch. Eine Rückkehr nach Hause – plötzlich undenkbar. Tante Rosi, die agile und geistig fitte Tante Rosi - ein Pflegefall - quasi von jetzt auf gleich.


Tante Rosis Leben hat sich schlagartig verändert. Alles war jetzt anders.

Es wurde geprüft, in welche Pflegestufe sie einzustufen ist. Sie hatte gehofft, in die höchste der drei Pflegestufen eingestuft zu werden, denn schliesslich sind in der höchsten Stufe auch die höchsten Kosten anzusetzen. Für diese Kosten würden dann doch Zahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung geleistet. Aber reichen die für die wirklich real entstehenden Kosten wirklich aus? Jetzt weiß Tante Rosi, dass selbst in der höchsten Pflegestufe die Zahlungen der Versicherung hinten und vorne nicht ausreichen, um die entstehenden Kosten wirklich zu decken.

Auch bei Tante Rosi klafft ein riesiges Loch zwischen tatsächlichem Bedarf und gesetzlichen Zahlungen. Wie bei so vielen. Und das Loch muss gestopft werden. Wie? Natürlich mit der Rente von Tante Rosi. Und wenn die Rentenzahlungen auch nicht reichen? Auch Tante Rosi kriegt eine Rente, die für ihren eigenen Bedarf ausgereicht hat. Aber für zusätzliche Leistungen, mit denen Sie nie gerechnet hatte? Natürlich nicht.

Dann bleibt nur das hart ersparte Geld auf dem Sparbuch. Dabei wollte sie damit doch ihren Enkeln das Studium finanzieren. Das geht jetzt nicht mehr, das Vermögen geht für die Pflege drauf.  

Und als das auch verbraucht war? Tja da bekam der Spruch für Klaus, den Sohn von Tante Rosi, „Kinder haften für Ihre Eltern“, eine völlig neue Bedeutung. Klaus wurde zur Kasse gebeten. Leere Staatskassen, das Sozialamt sieht gar keine andere Möglichkeit, Klaus muss zahlen.

Und was ist, wenn Sie Tante Rosi oder Klaus wären. Es kann immer und jederzeit passieren.
Fakt ist, jeder dritte Mensch über 80 wird pflegebedürftig, und das bei einem statistische Durchschnittsalter an die 90. 10 Jahre „Pflegefall“, Abhängigkeit von Dritten und mit hoher Wahrscheinlichkeit Zahlungsverpflichtungen für Ihre Kinder, denn die Rentenzahlungen werden immer geringer, das Ansparen von Vermögen immer schwieriger.

Passen Sie also beim nächsten Mal auf, wenn Sie stürzen. Aber kann man das vermeiden? Besser noch: Früher an Später denken. Denn früher daran denken bedeutet, dass es noch nicht zu spät ist.